Der Kunsthandel im Spiegel der Ausfuhrakten des Bundesdenkmalamtes 1938–1945

Gabriele Anderl hat, in enger Kooperation mit Anneliese Schallmeiner, an einem von der Kommission für Provenienzforschung finanzierten Forschungsprojekt – „Der Kunsthandel im Spiegel der Ausfuhrakten des Bundesdenkmalamtes 1938–1945“ – gearbeitet. Grundlage der Untersuchung bildeten die Ausfuhrformulare und die Ausfuhrakten des Bundesdenkmalamtes aus den Jahren 1938–1945, soweit sich ein Bezug zum Kunst- und Antiquitätenhandel nachweisen ließ.

Gemäß dem Ausfuhrverbotsgesetz von 1918 und dem Denkmalschutzgesetz von 1923 unterlag und unterliegt die Ausfuhr wertvollen Kulturgutes aus Österreich strengen Regelungen. Wie gemeinhin bekannt, wurde dieses Gesetz während der NS-Zeit dazu missbraucht, die Ausfuhr von Vermögenwerten Verfolgter zu blockieren. In der Nachkriegszeit wurde dieses Gesetz auch dazu verwendet, den Geschädigten, die nunmehr zum Großteil im Ausland lebten, sogenannte Ausfuhrwidmungen an Museen abzupressen. Insgesamt wurden zwischen 1938 und 1945 rund 18.000 Ausfuhransuchen eingebracht, die weitaus größte Tranche davon 1938. Die erzwungene Flucht der jüdischen Bevölkerung und deren Enteignung sind als Hauptursache für die enorme Zunahme der Ausfuhranträge nach dem „Anschluss“ anzusehen.

In einem ersten Schritt wurden die Namen der antragstellenden Personen und die weiteren Details in einer Excel-Tabelle erfasst, in einem weiteren Schritt folgte die Auswertung der auf diese Weise erhobenen Daten. Unter anderem zeigte sich, dass riesige Mengen an Kulturgütern über den österreichischen Kunsthandel nach Deutschland gelangt waren, zumeist an den dortigen Kunsthandel. Wegen der meist nur unpräzisen Objektbeschreibungen in den Anträgen lässt sich im Einzelfall vielfach nicht nachvollziehen, inwieweit es sich um entzogenes oder unter Zwang veräußertes Kulturgut von Verfolgten gehandelt hat. Andererseits deutet aber schon der enorme Anstieg der Antragszahlen auf einen engen Zusammenhang mit den antijüdischen Maßnahmen hin. Als gesichert kann gelten, dass die österreichischen nichtjüdischen Händlerinnen und Händler nachhaltig von diesen Geschäften profitiert haben.

Das Projekt wird, erweitert um die Rolle der Logistikunternehmen in diesem Kontext, 2020 fortgesetzt.
 


TransCultAA – Transfer of Cultural Objects in the Alpe Adria Region in the 20th Century

The Commission for Provenance Research acts as associated partner in this research project

This research project is the first attempt to investigate the transfer of cultural assets in the Alpe Adria area in the 20th century. In an unprecedented transnational and collaborative way, it will engage a multinational team of scholars to analyze “Uses of the Past”, in particular historical and current conflicts of ownership, patrimony, and cultural heritage…
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