Kommission für Provenienzforschung
Ziel des im Jahr 1998 in Österreich beschlossenen Kunstrückgabegesetzes (/index.aspx?ID=27&LID=1) und der Änderung des Bundesgesetzes (/index.aspx?ID=63&LID=1) über die Rückgabe von Kunstgegenständen 2009 ist es, Sammlungsgegenstände aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen, die im Zuge oder als Folge der NS-Gewaltherrschaft in das Eigentum des Bundes gelangt sind, an die ursprünglichen EigentümerInnen oder deren RechtsnachfolgerInnen zurückzugeben (Geschichte/Parlamentarisches Verfahren zur Änderung (http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXIV/I/I_00238/pmh.shtml)).
Die Bestände der Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen werden daher durch die Kommission für Provenienzforschung systematisch und lückenlos überprüft.
MitarbeiterInnen der Kommission sind in den einzelnen Bundesmuseen und Sammlungen tätig, wo sie die Inventare, die Archivbestände und die Objekte auf Provenienzhinweise überprüfen. Mit Hilfe einschlägiger Datenbanken, Karteien und Akten aus öffentlichen Archiven ergänzt, werden die Ergebnisse der Forschung zu Dossiers zusammengefasst und dem Büro der Kommission übermittelt. Das Büro legt diese Dossiers dem gemäß § 3 Kunstrückgabegesetz beim Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur eingerichteten Beirat vor.
Der regelmäßig tagende Beirat überprüft die Dossiers und beurteilt den Sachverhalt nach Maßgabe des Kunstrückgabegesetzes. Er richtet seine Empfehlungen an die/den jeweils zuständige/n BundesministerIn, in dem Fall die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur. Die Empfehlungen (/index.aspx?ID=24&LID=1) werden veröffentlicht.
Die Untersuchungen der Kommission erfolgen auf Grund des gesetzlichen Auftrags systematisch und ohne Antrag der Betroffenen. Dennoch steht das Büro der Kommission als Kontakt- und Auskunftsstelle sowie als Koordinationsstelle für Rückgaben anderer Gebietskörperschaften (Länder, Gemeinden (/index.aspx?ID=30&LID=1)) zur Verfügung.
Die Tätigkeit der Kommission und des Beirats wird in den jährlich, an den Nationalrat gerichteten, Restitutionsberichten dargestellt ("Restitutionsberichte (/index.aspx?ID=26&LID=1)" und auf der Seite des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (http://www.bmukk.gv.at/kultur/rest/restber.xml)).
Symposium 2011
Die Kommission für Provenienzforschung lud am 23. März 2011 im Rahmen des Symposiums „Kunst sammeln – Kunst handeln“ zur feierlichen Eröffnung in den Audienzsaal des BMUKK. Nach der Begrüßung durch Sektionschef Dr. Michael P. Franz und der kurzen Einführung in die Thematik durch Mag. Eva Blimlinger (wissenschaftliche Koordinatorin der Kommission für Provenienzforschung) präsentierte Univ. Prof. Dr. Sebastian Schütze (Universität Wien) in seiner Eröffnungsrede einen Überblick über die Entwicklung des Kunsthandels ab dem 17. Jahrhundert. "Sammler, Agenten, Kunsthändler: Akteure des frühzeitlichen Kunstbetriebes und ihre Handlungsspielräume" lautete der Titel seines Vortrags. Zahlreiche Interessierte wohnten der Eröffnung bei. Das in den Räumlichkeiten des MAK- Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst veranstaltete Symposium (24.-25. März) zeichnete sich ebenfalls durch hohe Besucherzahlen aus.








ExpertenInnen aus Deutschland, England, Holland, Israel, Polen, Schweiz, Slowakei, USA und Österreich trafen zusammen um ihre Forschungsergebnisse zur Entwicklung des Kunsthandels seit den 1920er Jahren, aber vor allem dessen Rolle und Verstrickungen während der Zeit des Nationalsozialismus genauer zu beleuchten. Die Beiträge der Referentinnen und Referenten werden als Band 3 der Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung im Böhlau Verlag voraussichtlich vor Jahresende 2011 erscheinen.
Das Programm, die Abstracts und die TeilnehmerInnenliste stehen hier zur Verfügung:
- Programm für das Symposium 2011
- TeilnehmerInnenliste des Symposiums
Band 2 der Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung
schneidern und sammeln
Die Wiener Familie Rothberger
herausgegeben von
Christina Gschiel, Ulrike Nimeth und Leonhard Weidinger
In diesem Band wird die Geschichte der Familie Rothberger, die das kulturelle und wirtschaftliche Leben Wiens über fast ein Jahrhundert mitgeprägt hat, erzählt. Das Textilunternehmen war mit dem Warenhaus am Stephansplatz an einer der prominentesten Adressen Wiens vertreten. Mit dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich 1938 änderte sich das Leben der Rothbergers schlagartig. Sie wurden als Juden verfolgt, das Textilunternehmen wurde arisiert, die Sammlungen mussten abgegeben werden. Die Bemühungen um Rückstellung des Eigentums nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren nur wenig erfolgreich.
2010, 336 S., Gb. mit SU, EUR 35,–
Im 2009 erschienenen Band Verantwortung wahrnehmen / Taking Responsibility. NS-Raubkunst - eine Herausforderung an Museen, Bibliotheken und Archive, herausgegeben von der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste, Magdeburg 2009 nehmen der Vorsitzende des Kunstrückgabebeirates, Präsident Univ.Prof.Dr. Clemens Jabloner und die wissenschaftliche Koordinatorin der Kommission für Provenienzforschung, Mag. Eva Blimlinger zur Praxis der Kunstrückgabe in Österreich Stellung.
- Die Regelung der Kunstrückgabe in Österreich